Träume, Alpträume & Traumdeutung: Antworten vom Traumspezialist

 
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Träume, Alpträume & Traumdeutung: Antworten vom Traumspezialist

Erstellt von Heike Siemer in Menschen am 1. September 2016

Klausbernd Vollmar ist Diplompsychologe, Autor und Traumspezialist. Er hilft uns heute, dich aus unserer Welt des Wohnens und Schlafens in die des Träumens zu entführen. Bist du bereit? Bestens. Denn unser Traumdeuter hat Spannendes zu erzählen.

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Herr Vollmar, gibt es Menschen, die nie träumen?

Jeder Mensch muss träumen, das ist physiologisch vorgegeben. Träumen ist ein Rhythmus, der unser Gehirn fit hält, indem er uns alle 90 Minuten einen inneren Film bietet. Allerdings erinnern wir uns nur an die wenigsten Träume. Dabei ist es ein Zeichen von Kreativität und Intelligenz, sich an seine Träume zumindest bisweilen zu erinnern. Anders formuliert: Die Traumerinnerung erhöht unseren IQ. Das ist leicht nachvollziehbar, da der Traum uns eine ungewohnte Sicht der Dinge bietet und damit unser Gehirn trainiert, sich auf Neues einzulassen. Also: Träumen macht klüger, es ist Gehirnjogging.

Sie sagen, wir können unsere Träume kreativ nutzen. Wie geht das?

Grundsätzlich greifen Träume für gewöhnlich problematische Themen von uns auf. Wenn man sich an einen Traum erinnert, sollte man sich stets fragen, welches Problem einen gerade beschäftigt und versuchen, den Traum darauf zu beziehen. Davor sollte man keine Angst haben – es gibt keine falschen Deutungen. Alles ist möglich. Wenn Sie mit der Deutung des Traums herumspielen, bringt Sie dies meistens der Lösung Ihres Problems näher. Sie geben dadurch nämlich Ihre Scheuklappensicht auf, die vielleicht erst zu dem Problem geführt hat.

Kann ich meine Träume steuern?

Wenn auch einige Ratgeber versprechen, dass man die Steuerung eines Traums durch sie erlernen kann, halte ich das für äußerst fragwürdig. Es gehört einiges an Know-how und Disziplin dazu, um luzid, also bewusst träumen zu können.
Viel einfacher zu erlernen ist die Trauminkubation. Hierbei bestellt man sich einen Traum zu einem gewissen Thema. Falls dieses Thema wichtig für einen ist und man sich vor dem Einschlafen sagt, dass man leicht und mühelos zu diesem Thema träumen möchte, dann geschieht das meistens nach ein paar Tagen. Probieren Sie es einfach mal aus.

Viele Menschen träumen, irgendwo herunter zu fallen. Was bedeutet das?

Es ist nicht sehr professionell, Fragen à la ‚Was heißt das, wenn ich dies oder jenes träume?’ pauschal zu beantworten. Ausnahmen bilden archetypische Situationen, bei denen man vorsichtig eine allgemeine Deutung wagen darf. Irgendwo herunter zu fallen, heißt meistens, dass man sich fallen lassen sollte, im Sinne von loslassen. Oft bezieht sich das auf einem selbst mehr oder weniger bekannte Ängste oder Zwänge.

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Werden meine Träume automatisch süßer, wenn ich in einem guten Bett mit hochwertiger Matratze schlafe?

Vielleich nicht süßer, aber je besser man schläft, desto größer ist die Chance, sich an seine Träume zu erinnern – und das ist doch schon mal was. Schließlich gilt: An je mehr Träume ich mich erinnere, desto mehr positive werden dabei sein.

Stichwort Albträume. Was kann man gegen sie tun?

Bei Albträumen muss man unterscheiden, ob sie bei Kindern oder Erwachsenen auftreten. Bei Kindern sind zwei Albtraumphasen normal und für die Intelligenzentwicklung notwendig. Ganz anders bei Erwachsenen. Dort sind sie quasi ein Holzhammer der Seele, also ein Hinweis darauf, dass man grundsätzlich falsch lebt. Auf jeden Fall ist es wichtig, sich mit diesen Träumen auseinanderzusetzen, da sie sonst die Tendenz zeigen, häufiger aufzutreten oder sich zu psychosomatischen Symptomen auszuweiten.

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Auf Onlineplattformen kann man Träume deuten lassen. Funktioniert das?

Klar funktioniert das. Die Sprache der Träume ist genauso eine Sprache mit Vokabular in Form von Symbolen und einer Grammatik, die aus Zusammenhängen, beziehungsweise Situationen besteht. Man könnte sie als eine Fremdsprache bezeichnen, die gewissen Gesetzen folgt und deswegen auch entschlüsselbar ist.

Na, das testen wir doch gleich mal aus. Vielen Dank für das Interview.

Aufgepasst: Traumspezialist Klausbernd Vollmar betreibt zwei Blogs unter kbvollmarblog.wordpress.com und toffeefee.wordpress.com – vielleicht wollt Ihr ja mal vorbeischauen! Wir wünschen euch viel Spaß beim Weiterlesen!

Euer Hyggeblog-Team

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  • schneehuhn 21. November 2016 am 19:24 / Antworten

    Ich träume immer wieder von einem bestimmten Haus. Habe es noch nie in der Realität gesehen, doch im Traum kenne ich mittlerweile jedes Zimmer, den schmalen Hof, das Gelände drum herum, Häuserreihen, ein Sportplatz, dann die Straße vor dem Haius und das Meer, welches ca. 500 Meter entfernt zu sehen ist. Ich habe immer ein gutes Gefühl dort in diesem Haus und bin jedes mal dabei, etwas zu machen, zu reparieren, zu verschönern. Werde ich wach, Gang zur Toilette, und schlafe dann weiter, kommt es oft vor, dass ich weiter von diesem Haus träume. Das eigenartige ist daran, dass es nicht einmal mein „Traumhaus“ ist. In der Wirklichkeit sieht dies anders aus. Was will mir dieser Traum sagen?

    • Heike Siemer 3. Januar 2017 am 16:52 / Antworten

      Sorry für die späte Rückmeldung und danke für die interessante Frage! Dass es nicht das wirkliche Traumhaus ist, könnte daran liegen, dass das Haus im Traum eher für den Seelenzustand steht. Ich habe da diesen Link gefunden, vielleicht ist der im Hinblick auf deine Frage ganz aufschlußreich: http://traum-deutung.de/haus/ Viele Grüße und ein frohes neues Jahr! Heike

  • Marko Huemer 28. November 2016 am 16:39 / Antworten

    Hallo, ein sehr guter Beitrag :)

    seit Jahren führe ich ein Traumtagebuch, da es mir hilft, meine Träume zu analysieren.

    Wo war ich, was habe ich erlebt, wer war dabei, was habe ich in meinem Traum gefühlt?! Das sind alles Fragen, die sehr wichtig sind.

    Zu Beginn war es wirklich sehr schwer für mich, mich an alle Träume zu erinnern. Je öfter ich sie allerdings aufgeschrieben habe, desto länger und mehr Träume konnte ich mir merken.

    Also ich kann ein Traumtagebuch nur empfehlen. Es hat mir sehr geholfen.
    Auch dein Traum-Bewusstsein wird erhöht, wenn du dich an mehr und mehr Träume erinnern kannst. Auch wenn du vorhast, luzide Träume zu machen, ist das Traumtagebuch ein erster Schritt dazu.

    Da ich mich mit dem Thema zur Zeit sehr stark beschäftige, habe ich auch ein Video dazu erstellt. Bei Interesse https://www.youtube.com/watch?v=w4Fb8aLAB7U

    Liebe Grüße,
    Marko Huemer

    • Heike Siemer 12. Dezember 2016 am 12:25 / Antworten

      Hi Marko,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, es ist ein faszinierendes Thema! Insbesondere das luzide Träumen interessiert ja viele Menschen, daher vielen Dank für deinen Kommentar und den Link!

      Viele Grüße und noch viele spannende Reisen durch die Traumwelten
      Heike

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